Thứ Sáu, 2 tháng 4, 2021

4700-4800 Faust von Goethe

4705 Dem höchsten Wunsch sich traulich zugerungen, Erfüllungspforten findet flügeloffen; Nun aber bricht aus jenen ewigen Gründen Ein Flammen-Uebermaß, wir stehn betroffen; Des Lebens Fackel wollten wir entzünden, 4710 Ein Feuermeer umschlingt uns, welch’ ein Feuer! Ist’s Lieb? Ist’s Haß? die glühend uns umwinden, Mit Schmerz und Freuden wechselnd ungeheuer, So daß wir wieder nach der Erde blicken, Zu bergen uns in jugendlichstem Schleier. 4715 So bleibe denn die Sonne mir im Rücken! Der Wassersturz, das Felsenriff durchbrausend, Ihn schau’ ich an mit wachsendem Entzücken. Von Sturz zu Sturzen wälzt er jetzt in tausend Dann aber tausend Strömen sich ergießend, 4720 Hoch in die Lüfte Schaum an Schäume sausend. Allein wie herrlich diesem Sturm ersprießend, Wölbt sich des bunten Bogens Wechsel-Dauer, Bald rein gezeichnet, bald in Luft zerfließend, [8] Umher verbreitend duftig kühle Schauer. 4725 Der spiegelt ab das menschliche Bestreben. Ihm sinne nach und du begreifst genauer: Am farbigen Abglanz haben wir das Leben. ________________________________________ Kaiserliche Pfalz. ________________________________________ Saal des Thrones. Staatsrath in Erwartung des Kaisers. ________________________________________ Trompeten. Hofgesinde (aller Art prächtig gekleidet tritt ein). Der Kaiser (gelangt auf den Thron; zu seiner Rechten der Astrolog). Kaiser. Ich grüße die Getreuen, Lieben, Versammelt aus der Näh’ und Weite; – 4730 Den Weisen seh’ ich mir zur Seite, Allein wo ist der Narr geblieben? Junker. Gleich hinter deiner Mantel-Schleppe Stürzt’ er zusammen auf der Treppe, Man trug hinweg das Fett-Gewicht, 4735 Todt oder trunken? weiß man nicht. [9] Zweyter Junker. Sogleich mit wunderbarer Schnelle Drängt sich ein andrer an die Stelle; Gar köstlich ist er aufgeputzt, Doch fratzenhaft daß jeder stutzt; 4740 Die Wache hält ihm an der Schwelle Kreuzweis die Hellebarden vor – Da ist er doch der kühne Thor! Mephistopheles (am Throne knieend). Was ist verwünscht und stets willkommen? Was ist ersehnt und stets verjagt? 4745 Was immerfort in Schutz genommen? Was hart gescholten und verklagt? Wen darfst du nicht herbeiberufen? Wen höret jeder gern genannt? Was naht sich deines Thrones Stufen? 4750 Was hat sich selbst hinweggebannt? Kaiser. Für dießmal spare deine Worte! Hier sind die Räthsel nicht am Orte, Das ist die Sache dieser Herrn. – Da löse du! das hört’ ich gern. 4755 Mein alter Narr ging, fürcht’ ich, weit in’s Weite; Nimm seinen Platz und komm an meine Seite. Mephistopheles (steigt hinauf und stellt sich zur Linken). [10] Gemurmel der Menge. Ein neuer Narr – Zu neuer Pein – Wo kommt er her – Wie kam er ein – Der alte fiel – der hat verthan – 4760 Es war ein Faß – Nun ist’s ein Span – Kaiser. Und also ihr Getreuen, Lieben, Willkommen aus der Näh’ und Ferne; Ihr sammelt euch mit günstigem Sterne; Da droben ist uns Glück und Heil geschrieben. 4765 Doch sagt warum in diesen Tagen, Wo wir der Sorgen uns entschlagen, Schönbärte mummenschänzlich tragen Und Heitres nur genießen wollten, Warum wir uns rathschlagend quälen sollten? 4770 Doch weil ihr meint es ging nicht anders an, Geschehen ist’s, so sey’s gethan. Canzler. Die höchste Tugend, wie ein Heiligen-Schein, Umgibt des Kaisers Haupt, nur er allein Vermag sie gültig auszuüben: 4775 Gerechtigkeit! – Was alle Menschen lieben, Was alle fordern, wünschen, schwer entbehren, Es liegt an ihm dem Volk' es zu gewähren. Doch ach! Was hilft dem Menschengeist Verstand, Dem Herzen Güte, Willigkeit der Hand, 4780 Wenn’s fieberhaft durchaus im Staate wüthet, Und Uebel sich in Uebeln überbrütet. [11] Wer schaut hinab von diesem hohen Raum In’s weite Reich, ihm scheint’s ein schwerer Traum, Wo Mißgestalt in Mißgestalten schaltet, 4785 Das Ungesetz gesetzlich überwaltet, Und eine Welt des Irrthums sich entfaltet. Der raubt sich Heerden, der ein Weib, Kelch, Kreuz und Leuchter vom Altare, Berühmt sich dessen manche Jahre 4790 Mit heiler Haut, mit unverletztem Leib. Jetzt drängen Kläger sich zur Halle, Der Richter prunkt auf hohem Pfühl, Indessen wogt, in grimmigem Schwalle Des Aufruhrs wachsendes Gewühl. 4795 Der darf auf Schand’ und Frevel pochen Der auf Mitschuldigste sich stützt, Und: Schuldig! hörst du ausgesprochen Wo Unschuld nur sich selber schützt. So will sich alle Welt zerstückeln, 4800 Vernichtigen was sich gebührt; Wie soll sich da der Sinn entwickeln Der einzig uns zum Rechten führt? Zuletzt ein wohlgesinnter Mann Neigt sich dem Schmeichler, dem Bestecher;

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